Review Online Musik Magazine august 2008 PDF Print E-mail
Reviews

 


Duke Ellington klassisch - inbrillantem Arrangement und hervorragender Interpretation

 

Tony Overwater Trio
 and Calefax Reed Quintet

Ellington Suites


Von Frank Becker


Für ein außergewöhnliches Projekt haben sich zwei hervorragende niederländische Ensembles Anfang 2005 zusammengetan. Aus eigentlich diametral auseinander liegenden musikalischen Lagern
kommend, trafen sich das Kammermusik-orientierte Calefax Reed Quintet und das Tony Overwater
(Jazz-)Trio auf Initiative von Calefax auf einem Feld, welches das kompositorische Allround- Talent Duke Ellington (1899-1974) in den 1960er Jahren als Beweis für die Vereinbarkeit von Jazz und Klassik bereitet hatte: seinen Suiten. Zwei der rund 20 Suiten aus dem gewaltigen Gesamtwerk Ellingtons hat das vereinigte Ensemble im Februar 2005 in einer Live-Session aufgenommen - die "Far East Suite" und "The River".



Ellington und sein Co-Komponist Billy Strayhorn sammelten auf einer Tournee, bei der ihr Orchester 1963 u.a. Amman, Kabul, Neu-Delhi, Colombo, Teheran, Madras, Bombay, Bagdad und Ankara besuchte, Impressionen, die bis 1966 in eine Jazz-Suite mit dem Duft des Orients flossen, zu Musik geronnene Bilder von Basaren, Moscheen und Landschaften vor dem Hintergrund der betörenden Akustik Mittelasiens. Das Jazz-Trio und das Holzbläser-Quintett haben sich beim "Einstieg" in die Materie organisch miteinander verschmolzen, bilden eine homogene, musikalisch und interpretatorisch geniale Gemeinschaft. Ellingtons orientalische Impressionen finden in Oliver Boekhoorns sensiblem Arrangement ihre ideale Gestalt - der große Ellington selbst hätte sie sich gewiß nicht besser vorstellen können. Die "Far East Suite" ist unter den Händen des fabelhaften Ensembles mit Tempo, Phantasie und großem gegenseitigen Repekt zum Ausdruck höchster Könnerschaft und einem musikalischen Genuß der Extra-Klasse geraten.

Nicht anders verhält es sich mit "The River" - einer elfsätzigen Suite, in der Ellington raffiniert Spuren von Swing, Bebop und klassischem Impressionismus gelegt hat. Von Tony Overwater arrangiert, wird die Finesse, mit der Ellington hier das "Leben" eines Flusses von der Quelle bis zur Vereinigung mit der mächtigen See illustriert hat, von Overwater/Calefax kongenial umgesetzt. Duke Ellington hat mit diesen beiden Werken - und nicht nur mit diesen - seinen Rang als auch von skeptischen Klassik-Puristen anzuerkennender Komponist belegt. Das Tony Overwater Trio und das Calefax Reed Quintet treten den eindrucksvollen Beweis dafür an. Da kommt der Wunsch auf, weitere Grenzgänge dieses phantastischen Ensembles zu erleben. Das Album "Ellington Suites" sollte in keiner Jazz- und keiner Klassik-Discothek fehlen.